Von Kassetten bis zu Streaming-Diensten: Die Evolution des Medienkonsums
Digitaler Alltag - eine echte Herausforderung
01.02.2026 26 min
Zusammenfassung & Show Notes
Markus reflektiert in diesem Podcast über den Wandel des Medienkonsums in den letzten 50 Jahren, beginnend vor seiner eigenen Kindheit in den 70er und seiner eigenen in den 80er Jahren. Er spricht über die Einführung neuer Medien wie Videospielen in den 90er Jahren, die Diskussionen über Gewalt in Videospielen, die Einführung von Smartphones im Jahr 2007 und die Entwicklung von sozialen Netzwerken und Streaming-Diensten. Markus diskutiert auch die aktuellen Trends bei der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen, betont die Bedeutung einer ausgewogenen Mediennutzung und die Herausforderungen der digitalen Souveränität von Kindern. Er unterstreicht die Notwendigkeit der Vermittlung von Medienkompetenz und kritischer Medienbildung. Markus hofft auf eine restriktivere Gesetzgebung im Bereich sozialer Medien für Kinder und Jugendliche und ermutigt Eltern und Erzieher dazu, digitale Bildung im Alltag zu verankern.
Transkript
Herzlich willkommen zum Pädagoge Schnürt. Mein Name ist Markus und wir nehmen heute alleine auf.
Ich bin da, ihr seid da, das muss reichen. Es ist Folge 101. Bei Folge 100 konntet ihr uns alle hören, sehr ausführlich.
Und heute mache ich mal wieder was alleine. Nicht, weil niemand Bock hatte, sondern weil es sich dann zeitlich doch nicht ausging.
Ist gar nicht schlimm. Wir sprechen heute über Medienkonsum und wie sich der im Laufe der letzten 50 Jahre so verändert hat.
Ja, ich kam drauf, weil ich, ich weiß gar nicht, warum ich drauf kam, doch weil es ein Thema in der Arbeit ist.
Ich merke schon, wie viel die Kinder konsumieren und was die konsumieren und dass wieder irgendwelche Trendy-Audios gesummt werden.
Und ich mich wundere, nein, ich wundere mich nicht, aber es fällt mir auf, dass es mehr geworden ist.
Und dann dachte ich mir, ja, mach halt eine Folge dazu.
Ja, und wo fängt man da am besten an? Genau, bevor man selbst geboren wurde.
So, und wir machen jetzt eine Folge, wo es in den 70ern losgeht bis heute.
Ich erzähle ein bisschen was Persönliches. Ich erzähle was über historische Entwicklungen.
Es gibt hier und da ein bisschen Studienergebnisse eingestreut, wie sich das verändert hat und genau, welche pädagogischen Herausforderungen und Chancen daraus entstehen, erzähle ich euch auch.
Ja, zu direkter Mediennutzung. Ich muss sagen, ich habe es versucht als Video zu machen, aber ich war so herausgefordert heute.
Es hat nicht funktioniert.
Ich habe mich dann so genervt beim vierten Versuch. Deswegen ganz klassisch nur eine Audio.
Fangen wir an. Wir fangen an mit dem Call to Action. Ihr denkt dran.
Teilen, liken, kommentieren. Gerne auf allen Plattformen, wo ihr uns hört. Hilft uns. Hilft meiner Motivation, wenn ich sehe, wir hatten gestern den Tag mit der höchsten Downloadrate ever.
War irgendwie ganz random mittendrin. War ganz cool.
Ja, und jetzt sprechen wir tatsächlich über das Thema.
Ja.
Wie ging das Ganze los? Ich stelle hier noch das Mikrofon an. Wie ging das Ganze los in den 70er und 80ern?
Also bei mir und wahrscheinlich auch bei den meisten von euch, die da schon geboren waren, war Medien noch ein Ereignis.
Also 20.15 Uhr nach der Tagesschau irgendwas zu schauen, war schon besonders.
Ich kann mich noch erinnern, wie so die ersten Male als Kind, wie ich dann so lange wach bleiben durfte und noch irgendwie Fußball bis zur Halbzeit schauen.
Oder wetten das noch schauen.
Aber auch nicht bis zum Schluss und als ich das dann irgendwann bis zum Ende schauen konnte.
Das war schon toll.
Es war, ich meine, Fernsehen war linear und es war begrenzt.
Ich hatte, als ich, meine ersten Fernseherfahrungen waren in schwarz-weiß und mit drei Sendern.
Das hat sich dann sehr rapide geändert, dank Privatfernsehen.
Aber ich hatte meinen eigenen Fernseher erst, da war ich 13, also im Jahr 95.
Und damit bin ich wahrscheinlich nicht alleine.
Und so hat sich das über die Jahre eben entwickelt.
mein Hauptmedium war tatsächlich noch die Kassette.
Da vor allem die drei Fragezeichen.
Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg, man wird halt älter, TKKG zwischendrin.
Ja, und Bücher.
Viele, viele Bücher.
Das war so das, womit ich aufgewachsen bin.
An Medien, also es sind drei Stück.
Und wenn das eben nicht verfügbar war, war es nicht verfügbar.
Und im Jahre 1990 kam ein viertes Medium dazu.
Und das Videospiel, da habe ich ein Sega Master System bekommen mit Sonic und Alex Kidd.
Ich kann mich wie heute daran erinnern.
Deswegen habe ich vielleicht auch Sonic Telefon, ähm, nicht mit Sonic telefoniert, sondern Sonic tätowiert.
Ja, so ging das damals los.
Und dann hatten wir vier Medien und das Medium war halt nur nutzbar, wenn der Fernseher frei war.
Das Videospiel.
So, das ist jetzt natürlich, ich glaube, eine relativ mehr oder weniger typische Medienkindheit in den 80ern und 90ern.
Und ich will jetzt gar nicht sagen, dass es irgendwie besser ist oder schlechter oder es war halt anders früher.
Es war, die Verfügbarkeit war anders.
Das können wir uns einfach so stehen lassen.
Ich hatte da einen recht strikten Haushalt.
Bei mir gab es wenig bis keine Medien.
Ja, ich habe zwar diese Konsole bekommen, aber die Nutzung war eher selten.
So, es war so.
ja, und in den frühen 70ern und machte man sich.
Da vor allem noch Sorgen wegen der Reizüberflutung und da gibt es eine Heidelberger Fernsehuntersuchung, die zeigt, dass Kinder Fernsehen vor allem zur Entspannung und zur Orientierung nutzen.
Aufgrund der Länge des Podcast Formats werde ich jetzt nicht auf jede Studie einzeln eingehen, aber man hat sich schon in den 70ern mit dem Thema Fernsehen und Kindern eben auseinandergesetzt und auch in den 80ern.
So, und dann kamen die 90er.
Also das ist ja so der.
Meine Hauptkindheit.
Ich meine, ich bin in den 90er und 80er geworden.
Stimmt nicht, ich wurde 2018.
Auf jeden Fall war das so der große Teil meiner Kindheit.
Und was kam dazu?
Es explodiert.
Das Privatfernsehen kam dazu.
Der Sendeschluss wurde abgeschafft.
Es kamen immer mehr Konsolen auf den Markt.
Also ganz großen Einfluss auf meine Jugend hatte die Playstation und der Gameboy und das SNES, aber vor allem die Playstation.
Ich hatte in der Schule Informatik.
Es gab, es kam Lernsoftware auf den Markt und Internet kam, ja, also noch mit Modem, noch 56K und und so weiter.
Bei mir hat das Internet so richtig einen Einfluss genommen, als DSL kam und nicht ständig eine Leitung belegt sein musste und wir hatten selber auch kein Internet.
Ein Kumpel von mir hatte Internet.
Ich hatte Internet selbst tatsächlich erst 2004.
Zwischendrin mal vier Jahre bei der Bundeswelle.
Aber das war jetzt nicht so.
Das Thema ja und da habe ich ja, wir haben es halt genutzt und unsere Eltern haben uns wie man, wie man halt mit Teenagern so umgeht, Hauptsache es ist Ruhe und sie haben uns da in Ruhe gelassen.
Ja, und da gibt es eine DJI-Studie von 99 Kindheit Internet Medien, die zeigte, dass Kinder digitale Medien zunehmend aktiv gestalteten und die frühen Kinderstudien belegen, dass Videospiele räumlich mehr
denken und problemlöse Fähigkeiten fördern können.
Mensch, wer hätte es gedacht?
Und internationale Medien.
Metastudien, haben halt gerade das Thema Gewalt in Games diskutiert, wobei es da wenig kontextabhängige Effekte gab.
Ich meine Gewalt im Videospiel war natürlich das Riesenthema.
Im 90er Jahren hatten wir die Killerspieldebatte, die bis heute auch nicht so ganz weg ist.
Und das hat auch entstanden.
Berechtigung. Also es hat einen Grund, warum manche
Spiele ab 18 sind und ich ab 6.
Ja, aber es wurde da nie ein
endgültiger Zusammenhang
hergestellt zwischen
Killerspielen und Amokläufen.
Kann man einfach so stehen lassen.
Die Studienlage gibt es
einfach nicht her. Ja, aber es war
eine tolle Jugend und Kindheit. Es war halt
viel Entdecken und es war dieses...
Wir hatten unseren Eltern da auch echt was voraus
in der Zeit. Also ich kannte Cammy bis heute
besser aus als meine Mutter.
Und ich meine, er hatte da auch einfach einen Vorsprung.
Ich hatte da einen Vorsprung.
Ja, und der ist
bis heute natürlich nicht weggegangen.
Wenn man sich dieses Medium am Anfang
einfach komplett selbst erarbeitet.
Ja, und
so war das dann.
Ja, und ich glaube, so richtig
in die Debatte einsteigen können wir in den 2000ern.
Also das haben wir uns angeschaut.
Vom linearen Fernsehen hin
zum Internet. Wir hatten immer noch oft, dass es
das Fernseher
in Kinderzimmern jetzt nicht die Regel waren.
Ich hatte mit 13 einen,
aber ich hatte auch Freunde, die hatten immer noch...
Die hatten keinen Fernseher, aber der einzige Fernseher
immer noch im Wohnzimmer.
Das heißt, es wurde dann mit der
Konsole aufgebrochen.
Mit 15, 16, 17 hatten wir eigentlich alle einen eigenen
Fernseher und hingen dann auch nächtelang
vor der Konsole rum.
kann man einfach nicht weglügen.
Aber der Zugang war noch beschränkt.
Und es war immer noch schwieriger und es war
immer noch eine einfache Kontrolle möglich.
Weil wenn die
Konsole weg war, war die Konsole weg.
Wurde sie mir niemals weggenommen.
Mit Sicherheit wurde sie mir weggenommen und ich kann
mich nicht daran erinnern.
Und dann kam
die große Veränderung.
Die 2000er.
Und hier können wir
den Finger eigentlich auf ein Jahr legen.
Nämlich das Jahr 2007.
wirklich alles geändert. 2007
Ab da hat sich
kamen Smartphones auf den Markt.
Mit dem Smartphone
war auch das mobile Internet
etwas, was man nutzen konnte.
Und man hatte grundsätzlich immer
ein internetfähiges Gerät in der Tasche.
Vielleicht kommen gleich noch Zahlen,
aber ich glaube
98% der Menschen hatten ein Smartphone
und immer Internetzugang.
Jetzt stelle ich euch gleich noch die Zahlen vor,
wie es bei Kindern und Jugendlichen aktuell aussieht
mit der Smartphone-Nutzung und mit dem
Smartphone-Besitz.
2007 haben wir
das große Wendejahr.
Weil auch vorher haben
medienpädagogische Projekte stattgefunden.
Ich kann mich erinnern, ich habe mal ein Projekt gemacht,
das nannte sich MULA Multimedia
Landschaft Stadt. Da konnte man sich
dann für den Kindergarten
vier PCs ausleihen
und hat die dann geschickt bekommen mit
Spielen. Es funktionierte
alles mehr so schlecht als recht.
Das habe ich gemacht im Jahr 2006.
Genau ein Jahr
bevor das Smartphone kam.
Vor der großen Revolution.
Und das war auch schon cool.
Da haben die Kinder Löwenzahn gespielt und haben
eben diese Lernspiele,
von denen ich vorhin gesprochen habe, in den 90ern.
Also da ist in
dieser Zeit klar, die Leistung ist immer
größer geworden von den Geräten und die
Sender wurden mehr und
auch die Fernsehsendungen haben
sich verändert. Aber es war
nicht so rasend schnell.
Also ich meine, ob ich jetzt
wie ich in meiner Jugend
Kickers geschaut habe oder dann später Pokémon
und Digimon,
das, ja,
lassen wir jetzt mal dahingestellt sein, ob da
jetzt irgendwas von besser oder schlechter ist.
Es lief auf RTL 2 und
während ich rausgewachsen bin und die
Serien, aus denen ich rausgewachsen bin,
ausliefen, wie Sailor Moon,
Mila, die Kickers,
fingen eben neue Serien
an, wie Detective Conan
und Pokémon und
Digimon und
One Piece.
Und es kam dazu, unterbunden an das Dragon Ball.
Aber es war immer
noch linear. Wir mussten zu einer gewissen Zeit
am Fernseher
sein. Wenn wir nicht da waren, haben wir es halt nicht
gesehen. Zum Glück gibt es
Wiederholungen oder gab es Wiederholungen.
So und
dieses lineare
und es läuft, wenn es läuft und wenn es nicht
läuft, läuft es halt nicht, änderte sich
dann so Stück für Stück ab
2007.
YouTube gab es schon zwei Jahre
früher, ab 2005.
Wobei ich sagen muss, dass ich auf
YouTube sehr viel später aufmerksam
geworden bin, glaube ich.
Weil noch viele Menschen auch ihre Sachen
selbst gehostet haben. Aber es ist voll der
Nerd-Podcast. Es soll ein Pädagogik-Podcast sein,
ein voller Erinnerungspodcast. Es tut mir leid.
So und es
kamen dann auch die ersten sozialen
Netzwerke, mit denen wir uns ja bis heute
rumschlagen, wie SchülerVZ
und später Facebook.
Alles noch nicht so
gesellschaftsverändernd am
Anfang. So und dann
geht es auch langsam los mit Streaming, dass es
das lineare Fernsehen ersetzt, aber nicht ganz
langsam. So und da haben wir eben
die Studien so in den 2000ern
bis 2010.
Die Internetnutzung
schießt nach oben bei den Kindern.
Das Internet
ist einfach da.
Es ersetzt immer mehr das Fernsehen
als Medium
und es wird genutzt, genutzt, genutzt.
Also wir hängen bei Facebook.
Hier wird es wieder anekdotisch.
Es gab Sachen wie ICQ. Wir haben uns
am Nachmittag nach den Hausaufgaben, während den
Hausaufgaben, vor den Hausaufgaben
am PC, also Kumpel von mir
an seinem, ich irgendwann an meinem
und dann haben wir
via ICQ Spiele gespielt.
Es gibt
2010 EU Kids Online
erste Stimmen zum Thema Cyberbullying.
Genau, es gibt
klar Wissenszugang, Kreativität,
alles mögliche im Internet, aber auch die
Schattenseiten waren von Anfang an da.
Ja.
Und dann
wurde eben sowas gemacht für den
Internetführerschein. Habe ich gemacht.
Es wurde mit den Kindern erforscht. Es wurde mit den Kindern
gesprochen. Ich habe ein Projekt
gemacht zum Thema, damals noch
zum Thema Fernsehen. Was ist gut? Was ist
eine schlechte Serie? Was ist gut?
Für euch war es nicht. Woran könnt ihr es erkennen?
Und es wurde dann eben
immer schneller, immer mehr.
Ja, und wo sind wir heute gelandet?
Heute haben wir eine Kindheit mit
Algorithmus. Also
TikTok, Instagram,
YouTube Shorts ist einfach bei den
Kindern. Die Kinder haben
Telefone. Also 55%
der 6- bis 13-Jährigen besitzen
ein eigenes
Smartphone. Und die Studie ist auch schon
wieder zwei Jahre alt, drei Jahre alt.
70% nutzen
regelmäßig YouTube. Das ist wahrscheinlich
runtergegangen und dafür wird da jetzt
TikTok stehen.
Und 30% haben
bereits Kontakt mit
problematischen Inhalten.
So bei den Jugendlichen. 94%
der 12- bis 19-Jährigen haben
ein Smartphone. Die tägliche
Bildschirmzeit beträgt im Durchschnitt
224 Minuten.
um die 4 Stunden.
Also es sind
Das hatte ich früher in der Woche.
Und nicht, weil ich nicht durfte. Es gab einfach.
Nichts. Also diese...
Immer, dass immer etwas verfügbar ist.
Ich will gar nicht auf meine Bildschirmzeit schauen.
Die ist natürlich auch viel zu hoch. Weil auch für mich sind die Sachen
immer verfügbar und immer verführerisch.
So.
Das bringt Schattenseiten mit sich.
Die DAK hat
2022
gesagt, die hohe Bildschirmzeit
korreliert mit Schlafproblemen, Stress,
Konzentrationsschwierigkeiten.
Klar, eine moderate Nutzung fördert
soziale Vernetzung und digitale Kompetenzen.
Aber wo ist
es da? Wie kriegt man das hin?
Also jetzt habe ich 15 Minuten über
Herleitung. Ich glaube, das war die längste
Einleitung, die ich jemals hatte.
So. Ja.
Wo kommen wir da hin?
Also Kinder sind digital souverän.
Heute wachsen die Kinder mit dem Internet
auf. Das ist einfach ganz normal.
Das ist ein ganz normales Werkzeug. Das ist
nichts Besonderes mehr.
Aber sie sind auch stärker
abhängig von algorithmisierten Feeds.
Wir
sehen einen Anstieg
der...
Mediennutzung auch in der Praxis.
Wir sehen, dass es... Ich sehe,
dass es den Kindern schwerer fällt,
zu spielen, die nicht
Dinge
medial besetzt sind. Also wenn
der PC läuft im
Alltag, habe ich einen
ruhigeren Tag, weil damit können
alle was anfangen.
Lego ist weniger.
Und es ist gerade bei
vielen Jungs ist es so, deren Hauptspielzeug
mal Lego war in meinem
Alltag, ist es fast komplett.
Abgelöst worden vom
PC. Also diese Kreativität,
die man dem Internet mal
zugesprochen hat, also dass es Kreativität
fördert. Der Algorithmus hat
es meiner Meinung nach getötet. Also
der Algorithmus zwingt
dich ja nicht, Sachen zu finden.
Der Algorithmus zwingt dich immer
dran zu bleiben und nicht
und nichts anderes mehr
zu machen. Es wird, glaube ich,
keine besonders positive Folge.
Merke ich so nach 16 Minuten.
Also nochmal die
übergreifenden Trends zusammengefasst,
bevor wir dann in die Praxis gehen.
In den 70ern
und 80ern war der Medienzugang knapp.
Die Form
war linear.
Es war stark kontrolliert, weil
es einen Fernseher gab.
Und die pädagogische Herausforderung war,
Medien überhaupt erstmal zu verstehen.
Also was passiert da eigentlich?
In den 70ern stammt auch noch nicht über
ein Fernseher. Es war noch nicht
allumfassend, das
digitale Medienerlebnis.
In den 90ern
wurde der Medienzugang mehr. Es gab
mehr Geräte, es gab mehr Möglichkeiten, es zu nutzen.
Die Medien wurden interaktiv
dank Computerspielen.
Die Elternkontrolle wurde weniger.
Also ich kann jetzt sagen, beim Thema
Videospiele, da waren, war meine
Elterngeneration, die war da raus.
Die konnte da nichts mehr zu sagen.
Es gab
so eine Balance zwischen
Spielen und Fernsehen.
Weil Spiele waren a teuer, waren nicht immer
verfügbar und der Fernseher war nicht mehr da.
Der war halt auch reizvoll.
So seit den 2000ern
sind die Medien allgegenwärtig.
Es ist digital.
Die Elternrolle sinkt
und sinkt weiter.
Wir mussten die Kinder
fit machen fürs Internet.
Internetführerschein. Was passiert da?
Welche Seiten sind gut? Welche Seiten sind gefährlich?
Und
dann heute ist es permanent
da. Es ist nicht wegzudenken.
Egal wo wir unterwegs sind,
wir sehen irgendwo jemanden.
Der gerade Medien konsumiert.
Es ist algorithmisiert.
Wir kriegen immer
gesagt, was uns gefällt.
Wir kriegen immer Sachen gezeigt, die uns gefallen.
Wir müssen nicht mehr suchen.
Der Traffic ist auf, das ist vielleicht
sechs Seiten zusammengeschrumpft. Da habe ich jetzt keine Zahlen
zu da, aber
ja, es ist nicht mehr
wie früher, dass man sich Sachen rausgesucht hat
und im Internet gesurft
ist. Heute geht man auf
eine Seite, nämlich TikTok,
Instagram und verbringt dann den Rest seines Tages.
Die Elternrolle
ist komplex. Die Angebote
sind vielschichtig. Es ist
schwierig,
wenn die neuen Trends kommen, und das ist nicht nur die Eltern,
sondern auch wir Pädagogen,
einen Überblick zu behalten. Was ist gerade Trend?
Was ist gerade
angesagt? Was gucken die Kinder und Jugendlichen?
In welche Richtung
geht es gerade? Und wir wechseln ja hier
im Monatstakt zum Teil ab.
Und die große Aufgabe
ist heute Medienbildung,
kritische Medienbildung,
und Medienresilienz,
also sich auch
den Knopf drücken können,
also den Ausknopf drücken können,
also den Medien widerstehen zu können.
Und on top kommt dann noch das ganze
Thema AI, zu dem ich gerade
noch nichts sagen kann.
So. Und das heißt,
unsere Aufgabe in der Praxis ist Medienkompetenz,
Medienkompetenz, Medienkompetenz.
Der wichtigste
Schutzfaktor überhaupt war,
von Lüge unterscheiden zu können,
dass
wir Erwachsene, Eltern wie
Pädagogen, das mit den Kindern zusammen
machen. Also nicht
das verteufeln, sondern es uns
erklären lassen von den Kindern, uns dafür interessieren.
Digitale Angebote in der
Einrichtung machen, die die Kinder zusammen
wahrnehmen können, weil
die Kinder spielen gerne Videospiele
immer noch, und ich
darf gerade wieder
den Funktionsraum planen, und es wird ein digitaler
Funktionsraum, in dem die
Kinder spielen können, in dem
also es ist kein digitaler Raum, es ist ein physischer
Raum, in dem aber digitale Angebote stattfinden
werden, und da wird es Konsolen geben.
Und es wird für Kinder die
Möglichkeit geben, gemeinsam
Games zu nutzen,
die aber kuratiert sind,
wo sie
gemeinsam Spaß haben können,
und auch ein gemeinsames
Ziel haben und gemeinsam etwas erreichen können.
Und nicht nur konsumieren,
also versuchen so einen Schritt
zurück zu machen. Es ist krass,
dass das inzwischen
schon retro ist,
weil Interaktion gar nicht mehr
so viel ist.
Und dann ist natürlich die Qualität der
Inhalte oft entscheidender als die
reine Bildschirmzeit.
Also wenn ich mir eine halbe Stunde Rotz anschaue, habe ich
mir trotzdem eine halbe Stunde Rotz angeschaut,
der mich qualitativ auch
nicht weiterbringt.
Und dann ist natürlich ein weiterer
Bildungsaspekt ist die digitale Kreativität.
Also selbst Videos
machen, selber Fotos zu erstellen,
das Ganze in einem geschützten
Rahmen zu machen, mit jemandem zu
sprechen, was ist gut, was kann ich als Kind
ins Internet oder als Jugendlicher
ins Internet hochladen oder
lade ich lieber gar nichts hoch,
zu sehen, was passiert mit Inhalten
im Digitalen.
Also die Herausforderung ist gigantisch
an uns, wenn es ums
Digitale geht. Die Kinder
wachsen in einer Welt, in der
Medien nicht mehr zusätzlich existieren,
sondern sie sind Grundstruktur
unseres Alltags.
Wir sehen die
Studien zeigen, dass
die Risiken vor allem
bei fehlender Begleitung entstehen.
Man kann Kinder nicht
alleine Medien
nutzen lassen.
Klar, auch die Chancen wachsen
durch kreative und
reflektierte Nutzung,
aber dafür müssen wir die Kinder befähigen.
Wir können die Kinder nicht vor Medien
mehr schützen, weil sie sind einfach
da. Sie sind immer da, es wird
vorausgesetzt, dass man sie nutzt, nutzen
kann. Es ist wichtig,
für die Teilhabe,
es ist ein weiteres Kulturgut
geworden und wir müssen diese
Kompetenz im Alltag vermitteln
und sie nicht
vor den Kindern weghalten, aber es muss
auf eine Art und Weise passieren,
dass wir den Kindern
Resilienz mitgeben können
vor den Medien.
So und jetzt sitze ich hier mit meinen
43 Jahren und der seit
Jahrzehnten inzwischen Medienpädagogik
macht und ich muss zugeben,
auch mich hat das Thema so ein bisschen
geholt,
weil wir sehen, wie schnell
sich das technisch und kulturell
entwickelt hat, also
wie sich die technische Entwicklung zu
einer kulturellen Entwicklung wurde
und dass Medien heute
ein Lernraum sind, ein Sozialraum,
Identitätsraum, also wir haben
eine digitale Identität
heutzutage. Das konnte man sich früher
nicht vorstellen
und das Entscheidende ist eben
nicht,
ob Kinder Medien nutzen, weil das werden
sie, sondern wie sie die Medien
nutzen und wie wir ihnen beibringen,
damit umzugehen. Das ist das
Wichtigste und dass wir uns darüber Gedanken
machen. Also es nicht ablehnen,
sondern
mit den Kindern darüber sprechen,
zuhören, es uns erklären lassen
und den Kindern auch
hier und da mal was kritisch einordnen,
noch öfter was kritisch
einordnen und uns
selber so gut auskönnen, dass wir
Wahrheit von
Fake unterscheiden können.
Und Liebe zuhören und das ist
eine wirklich große Aufgabe,
diese Medienkompetenz
sich selber anzuerkennen
und dann
weiterzugeben.
Ein ganz persönliches Fazit,
ich fand es sehr gut, dass
jetzt in Australien
soziale
Medien sehr eingeschränkt wurden für Kinder
und Jugendliche. Ich finde, das sollte generell
so sein und ich hoffe sehr auf
EU-Recht, dass sich das bald ändert.
Nicht, weil ich das nicht beibringen möchte,
ich bringe es den Kindern bei,
aber ich würde gerne etwas mehr Zeit
haben und nicht
immer gegen
den Algorithmus anarbeiten müssen.
Von daher
hoffen wir aufsammensweise mal auf die Gesetzgebung
und dass da was Vernünftiges passiert
und bis dahin
bringt euch selber bei,
Ohren auf,
sprecht mit den Kindern,
hört zu und versucht
digitale Bildung im
Alltag zu verankern,
und dass digitale Angebote stattfinden,
weil sonst
die Kinder in unseren Einrichtungen,
verlieren wir
weil sie nicht mehr kommen wollen,
nur noch rumhängen
und es einfach irgendwann echt schwierig wird
mit traditionellen
Spielangeboten
die Kinder zu erreichen oder manche der Kinder
zu erreichen.
Ich glaube, das war mal wieder...
Wenn ich Folgen alleine mache, dann ist es so ernst,
habe ich das Gefühl. Egal.
Ich hoffe, ihr hattet Spaß
bei der Folge. Ich konnte euch ein bisschen was näher bringen.
Ihr fühlt euch nicht mehr so alleine
mit dem Thema.
Und wenn ich irgendwie Quellen rausfinde,
die mir geholfen
haben, das Thema besser einzuordnen,
dann lasse ich es euch gerne zukommen.
Bis dahin
denkt dran, sharing is caring.
Wir hören uns bald wieder.
Ciao, ciao. Vielen Dank.